Für einen Tag Zivilfahnder: Die Komparsen

Einmal bei Dreharbeiten zu einem Tatort dabei sein – diesen Traum haben viele. Aber es geht auch spezieller: Einmal beim Dreh eines Franken-Tatorts dabei zu sein! Für Marc Michel und Rainer Denk ist dieser Traum wahr geworden, sie waren als Komparsen dabei.

Für einen Tag Zivilfahnder und Polizeibeamter: Marc (links) und Hannes / Foto: privat

Für einen Tag Zivilfahnder und Polizeibeamter: Marc (links) und Hannes / Foto: privat

Marc Michel lebt in Cadolzburg (Landkreis Fürth), ist 41 Jahre alt und arbeitet im Bereich Projektmanagement. Rainer Denk ist 42 Jahre alt und EDVler: Der gebürtige Nürnberger ist Systemadministrator und Anwenderbetreuer.

Was waren Eure Aufgabe beim Dreh?
Marc: Nach zahlreichen Anfragen wie „gutaussehende Leiche“, „Mann mit Fahrrad“, „Wirt“ oder „Motorradfahrer“ erhielt ich die Anfrage für einen „Zivilfahnder“. Den durfte ich dann beim Dreh im alten Horten-Kaufhaus am Aufsessplatz spielen. Hier war die Kulisse des Polizeipräsidiums aufgebaut worden.
Rainer: Ich hatte die Rolle eines höhergestellten Beamten, der mit dem Polizeipräsidenten Dr. Kaiser in einer Konferenz sitzt.

Und wie lief der Tag ab?
Marc: Es ging um 7.45 Uhr los. Wir wurden eingekleidet und dann gab es einen eigens für uns eingerichteten Raum, in dem wir mit Essen und Getränken versorgt wurden. Schon hier hat man gemerkt, das sich um jedes Teammitglied sehr gut gekümmert wird.
Rainer: Ich war von 9-19 Uhr am Set. Wobei man speziell als Komparse natürlich sehr viele Wartezeiten hat. Aber das ist völlig normal.
Marc: Nach einer Erklärung, wer von wo aus durch die Szene laufen oder andere Aufgaben erledigen soll, wurde das erste Mal geprobt. Wenn die Szene dem Regisseur gefällt, wird gedreht. Da auch andere Kameraeinstellungen aufgenommen werden, wurde die selbe Szene aus verschiedenen Blickwinkeln wiederholt. Eine meiner Aufgaben war es, zum Beispiel in einer Szene im Hintergrund an einem Schreibtisch Akten zu sortieren, aufzustehen und durchs Bild zu laufen. Keine große Aufgabe, jedoch sehr interessant, mal bei einem Film auch bei der Produktion live dabei zu sein.

Das Team bei der Arbeit im Polizeikommissariat / Foto: BR/Amelie Syberberg

Das Team bei der Arbeit im Polizeikommissariat / Foto: BR/Amelie Syberberg

Es arbeiten ja viele Menschen an so einem Set, wie habt Ihr das Team erlebt?
Marc: Das Team empfand ich als absolut professionell und sie gaben jedem den Eindruck, dass sie genau wissen, was sie tun. Wir, die Komparsen haben uns auch unterhalten und eine „Kollegin“ hat schon bei anderen Produktionen mitgewirkt und hat in einem Gespräch bestätigt, dass es nicht überall so reibungslos abläuft und der Tatort-Dreh schon was besonderes sei. Mehr Anerkennung kann man glaub ich nicht aussprechen….
Rainer: Jeder arbeitete hochkonzentriert und wusste genau, was er tat. Aber das muss natürlich auch so sein. So ein Drehplan ist ein hochkomplexes Konstrukt, und seine Umsetzung eine logistische und technische Herausforderung.

Und die Hauptdarsteller?
Marc: Selbst beim Mittagessen sitzt man auch mal zusammen am Tisch. Es sind ja auch nur Menschen wie Du und ich, und selbst die Hauptdarsteller haben an dem Drehtag mit der Hitze kämpfen müssen. In einem sehr stickigen Raum so eine professionelle Arbeit abzuliefern schafft sicher nicht jeder.. Darum auch ein Kompliment an die Hauptdarsteller!
Rainer: Einen recht großen Kontakt hat es allerdings nicht gegeben, außer mal ein kurzes „Hallo“ oder „Guten Tag“. Aber das ist in Ordnung so. Auch die Darsteller sind natürlich mit ihren Aufgaben beschäftigt und sehr konzentriert. Eine Ausnahme gibt es allerdings. Mit Stefan Merki hatte ich natürlich rollenbedingt mehr Kontakt, da ich ja neben ihm in der Konferenz saß.

Rainer Denk / Foto: privat

Rainer Denk / Foto: privat

Gab es Überraschungen oder Enttäuschungen?
Marc: Enttäuscht hat mich nur, das ich leider keine Sprechrolle erhalten habe, aber das wusste ich ja bereits vorher schon. Selbst der Regisseur, Andreas Senn hat sich am Schluss bei mir persönlich bedankt, was glaube ich keine Selbstverständlichkeit ist…. War bemerkenswert..
Rainer: Ich durfte spontan ein paar halbimprovisierte Sätze sprechen, das hat mich überrascht! Ob es diese Sätze allerdings in den fertigen Film schaffen, steht nochmal auf einem anderen Blatt.

Das stimmt – nach dem Dreh geht es ab in den Schnitt, und erst dort wird entschieden, welche Szenen gekürzt werden… Wäre das schlimm für Euch?
Marc: Falls die Szene herausgeschnitten wird, wäre ich nicht enttäuscht, denn ich habe die Erfahrung mitnehmen können und kann dennoch sagen, ich war dabei. So eine Chance mitten drin, neben den Schauspielern, dem Regisseur und allen Mitwirkenden zu sein, bekommt sicher nicht jeder. War eine tolle Sache…
Rainer: Damit muss man natürlich immer rechnen. Sicherlich ist man etwas enttäuscht, wenn man herausgeschnitten wird. Da meine Rolle aber ohnehin nur für einige Sekunden zu sehen ist, wäre es, glaube ich, für mich nicht ganz so schlimm, wenn sie herausgeschnitten würde.

Und, Blut geleckt? Wollt Ihr jetzt Schauspieler werden?
Marc: Sicher ist Schauspieler zu sein eine super Sache, jedoch wird auch unterschätzt, dass es Knochenarbeit ist, sich den ganzen Text zu merken, sich jeden Tag auf neue Situationen und Szenen zu konzentrieren, nicht an einem festen Ort zu arbeiten und sich auf die örtlichen Gegebenheiten einzustellen. Aber Spaß machen würde es mir dennoch…
Rainer: Schauspieler war schon als Kind mein Traumberuf. Irgendwie wollte ich das schon immer machen, seit ich denken kann. Trotzdem habe ich dann „etwas Anständiges“ gelernt. Der Schauspielerei und der Bühne bin ich aber über all die Jahre treu geblieben, weil es mir einfach im Blut liegt. Sei es im Schultheater, später im Amateurtheater oder mittlerweile im semiprofessionellen Bereich. Heute bin ich ganz froh, von der Schauspielerei nicht finanziell abhängig zu sein, sondern es quasi als „Nebenjob“ auszuüben.

 

Katja, die Komparsin

Katja Heinz ist Polizistin, Mutter, Stadträtin und sie war Komparsin im ersten Franken-Tatort. Höchste Zeit, mit ihr über die berühmten 15 Minuten Ruhm zu sprechen!

Katja beim CastingKatja, wie schaffst Du das alles?
Langweilig wird mir nicht! Ich habe zwei Kinder, 13 und 9 Jahre alt, ich habe verschiedene Ehrenämter, leiste zur Zeit Teilzeitdienst bei der Polizei, bin CSU-Stadträtin in Obernburg und unter anderem die Jugendbeauftragte. Ich versuche, produktiv zu sein…

Im Franken-Tatort spielst Du eine Polizistin – im realen Leben bist Du es.
Ja, ich habe am 1. März 1990 meinen Polizeidienst in Bayern aufgenommen. Damals habe ich bei der IX. Hundertschaft in Würzburg angefangen, als eine der ersten Frauen in Bayern. Vorher gab es keine uniformierten Polizistinnen, manchmal muss man eben Vorreiterin sein. Im Stadtrat sind es von 20 Gewählten auch nur zwei Frauen.

Was machst Du bei der Polizei?
Ich arbeite in einer Ermittlungsgruppe in Zivil. Ich arbeite sowohl am Schreibtisch als auch draußen am Tatort – wir kümmern uns vor allem um Ein- bzw. Aufbrüche, Diebstähle, Betrug und Vermisstenangelegenheiten.

Dann kannst Du sicher einschätzen, wie realistisch der Tatort ist…
Der Tatort ist und bleibt ein realitätsnahes Schauspiel. Natürlich muss er spannend sein und nach 90 Minuten aufgeklärt – das schaffen wir in der Realität selten. Aber ich finde es immer kurzweilig und eben wirklich realitätsnah – da läuft auch manchmal etwas nicht so rund oder es gibt Problemfälle, und auch die Charaktere finde ich sehr passend, meist kein Tag, wie der andere, einer der spannendsten Berufe eben (neben dem Schauspiel – lach).

(c) Katja Frankentatort mit Matthias Egersdörfer und Fabian Hinrichs beim DrehSchaust Du also selber oft Tatort?
Ich bin eigentlich kein Couchpotatoe, aber am Sonntag Abend sitze ich mit meinem Mann auf der Couch, ja. Ich schaue eher weniger TV (außer Sport, davon fast alles), aber TATORT ist ein MUSS, solange ich denken kann. Ich mag vor allem die Münchner, das sind die wahren Stars für mich. Das sind Hammertypen und ich hoffe, dass das Team Leitmayr und Batic noch lange weiter machen wird.

Wie kam es dann dazu, dass Du selber Komparsin geworden bist?
Durch Zufall! Ich habe über Facebook vom Casting erfahren und einfach spontan mitgemacht. Hätte nicht damit gerechnet, dass es klappt! Ich habe dann eine Kripo-Beamtin gespielt, und es war echt eine Erfahrung. Ca. 13 Stunden haben wir im nachgebauten Polizeipräsidium gedreht für 2 Minuten Film. Alle waren total nett, Regisseur Max Färberböck hat mir sogar das Du angeboten und es war eine gute Atmosphäre am Set. Und eine Wahnsinnshitze mit all den Scheinwerfern auf engstem Raum. Dennoch hat es super viel Spaß gemacht und mein kompletter Freundes- und Bekanntenkreis sind schon ganz gespannt aufs Endprodukt.

Und jetzt eine typische Ermittlerfrage: Was machen Sie am 12. April 2015?
Ich werde natürlich den Tatort schauen! An dem Tag hat mein Sohn Kommunion, es ist also ohnehin ein besonderer Tag und die ganze Familie und Freunde werden da sein. Und wenn die Kinder dann im Bett sind, schauen wir alle zusammen den ersten Franken-Tatort.

 

Einmal Komparse sein…

Jetzt ist es also längst da, das gute Jahr 2013. Und eines ist sicher: In diesem Jahr werden wir erfahren, wo der Franken-Tatort spielen wird. Die Entscheidung über die Schauspieler fällt dann irgendwann in den Monaten danach. Falls Ihr Euch aber schonmal mental darauf einstellen wollt, wie es als Komparse bei einem Tatort-Dreh zugeht: Wir haben mal hinter die Kulissen des Münchner Tatortes geblickt…