„Ich töte niemand“ – aus dem Inhalt

Am 15. April 2018 geht der vierte Fall der Mordkommission Franken auf Sendung.

Worum es in dieser Story geht erzählen wir Euch hier, aber keine Angst, wir verraten nicht zu viel.

Max Färberböck führte Regie

Die Geschichte des vierten Franken-Tatort

Während die Mitglieder der Mordkommission Franken unter einigem Alkoholeinfluss
ausgelassen die Einweihung von Felix Voss‘ neuer Wohnung feiern, wird andernorts in
Nürnberg ein Geschwisterpaar tot aufgefunden – Bruder und Schwester, beide Ende 50, vor vielen Jahren aus Libyen nach Deutschland gekommen und voll integriert. Sie wurden brutal erschlagen. Ihr Ziehsohn, ein allseits umschwärmter und hochbegabter Student, ist seit der Pressemitteilung grausigen Tat verschwunden. Offenbar hatte er sich zur Tatzeit im Haus der Opfer aufgehalten.

War er Zeuge? Täter? Warum ist er abgetaucht?

Die Polizei sucht intensiv nach Spuren am Tatort und im Leben der beiden Opfer und ihres Ziehsohns, begleitet von großer Anteilnahme und Empörung der Öffentlichkeit. Zwei Tage später stirbt ein Kollege der Nürnberger Polizei völlig überraschend während einer Autofahrt an einer fatalen Wechselwirkung von Medikamenten. Er lässt Frau und zwei Kinder zurück. Für Paula Ringelhahn ist diese Nachricht eine Katastrophe. Der tote Frank Leitner war ein sehr enger Freund. Kurz vor dem Doppelmord hatte er versucht, sie zu erreichen. Aber Paula hatte nicht zurückgerufen. Ein am Tatort gefundenes Indiz führt den Mord an den beiden Geschwistern und den toten Kollegen zusammen.

Was hat Frank Leitner mit der grauenvollen Tat zu tun?
Wieso fuhr er kurz darauf in den Tod?
Ein Fall, der Paula Ringelhahn an ihre Grenzen führt und dem sie ohne ihren Kollegen Felix Voss nicht gewachsen wäre.

 

 

„Am Ende geht man nackt“ – die Idee zum dritten Franken-Tatort

Redakteurin Stephanie Heckner zur Idee und Entstehungsgeschichte des dritten Franken-Tatort „Am Ende geht man nackt“:

making of, von links: Dagmar Manzel als Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn, Fabian Hinrichs als Kriminalhauptkommissar Felix Voss und BR Redakteurin Dr. Stephanie Heckner

making of, von links: Dagmar Manzel als Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn, Fabian Hinrichs als Kriminalhauptkommissar Felix Voss und BR Redakteurin Dr. Stephanie Heckner

Als mich der Autor Holger Karsten Schmidt mit dem Produzenten Martin Zimmermann im November 2014 besuchte, hatte er zwei Ideen für den Franken-Tatort im Gepäck: das Flüchtlingsthema und IS-Rückkehrer. Beides heiße Eisen. Wir entschieden uns für das Flüchtlingsthema, und schon mit dem ersten Exposé stand der Titel fest:

„Am Ende geht man nackt“.

Zwischen Ende 2014 und heute haben wir bei der Entwicklung des Drehbuchs vielfach Blut und Wasser geschwitzt, weil sich die Vorzeichen ständig änderten, die Brisanz wuchs und die Herkunftsländer der Flüchtlinge  wechselten. Unser Stoff veränderte sich immer mit.  Die Flüchtlingsunterkunft wandelte sich vom Auffanglager mit Kleiderkammer in eine Gemeinschaftsunterkunft und fand ihren Erzählort und Drehort schließlich in Bamberg. Letzteres aus produktionslogistischen Gründen und weil mit dem dritten Film nun definitiv Oberfranken an der Reihe war.

Wir haben diesmal sehr viele Franken im Cast, dazu die Darsteller der Asylbewerber mit ganz unterschiedlichem Hintergrund: Sie stammen aus dem Irak, dem Iran, dem Libanon, aus Marokko, Palästina, Ghana oder Tunesien.  Eine der zentralen Figuren im Film, der syrische Kinderarzt Mohammed Amir, der in Kobane Verletzte operiert hat, bevor er von dort floh, sagt zu Felix Voss:

„Jeder, der meint, dass er einem Mann in Not nicht die Hand reichen mag, sollte da gewesen sein. Wenn wir uns nicht gegenseitig die Hand reichen… am Ende gehen wir, wie wir gekommen sind. Am Ende gehen wir nackt.“

Mir ist persönlich und ganz grundsätzlich nicht wohl dabei, dass wir mit diesem Film einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bamberg inszenieren und somit ein solches Verbrechen fiktiv in die Welt setzen, das so nie passieren dürfte und dennoch real passiert. Ich fühle schon jetzt ein Unwohlsein vor dem Drehtag, an dem der Brandanschlag filmisch passiert. Aber wenn wir mit dem Tatort ein Millionenpublikum erreichen und es vielleicht schaffen, einen Schulterschluss zu bilden unter denen, die gesellschaftlich offen denken, ohne blauäugig zu sein, und dabei für einen Moment diejenigen zu einem Perspektivwechsel verführen, die ängstlich gegenüber Fremden sind, dann würde uns das freuen. Der neue Franken-Tatort möchte dazu ermuntern, in Menschen aus anderen Kulturen eine Bereicherung zu sehen. Und er möchte sich dem anschließen, was die Mehrheit in Deutschland trotz aller rassistischen Ängste immer noch meint: dass es Not tut, denen zu helfen, die in Not sind.

In Felix Voss, der verdeckt in der Bamberger Flüchtlingsunterkunft ermittelt, sehe ich eine Art Mittler für den Zuschauer. Jemanden, der dort Nähe findet und dadurch Geschichten von den Menschen erfährt, die aus Gegenden kommen, in denen Gefahr zur Normalität wurde. Voss steigt geistig über den Zaun. Und Paula Ringelhahn ergreift angstfrei und unverblümt Partei. Das sollten wir alle tun.