Der Franken-Tatort als Puzzle

Andreas Menn hat den ersten Franken-Tatort vor allen anderen gesehen – und zwar schon im Schnittraum. Er durfte aus den vielen einzelnen Aufnahmen wie bei einem Puzzle einen 90-Minüter zusammenbauen, eine Stimmung kreieren und mit Max Färberböck das Endprodukt fertigstellen, das wir alle am 12. April 2015 im TV sehen werden.

Andreas Menn / Foto (c) Anneke Hymmen

Andreas Menn / Foto (c) Anneke Hymmen

Wie lange hast Du am Franken-Tatort gearbeitet?

Ich habe schon parallel zum Dreh mit dem Schnitt losgelegt und den größten Teil des gedrehten Materials schon einmal in Form gebracht, bevor Max und ich uns zum ersten Mal im Schneideraum getroffen haben. Und es war tatsächlich das aller erste Mal! Wir haben zwar vorher viel gesprochen, aber nun war ich schon ein bisschen nervös, ob ihm all die investierte Arbeit auch gefallen würde. Ich bin nämlich nicht so gut darin, etwas mal eben ’schnell und grob‘ zu schneiden. Aber er konnte anscheinend was damit anfangen. Die andere Hälfte der Schnittzeit haben wir gemeinsam optimiert und komplettiert und optimiert. Insgesamt waren es 12 Wochen und ein paar angebrochene Tage, was ein bisschen länger ist als gewöhnlich. Ich hoffe, dass man es dem Film auch anmerkt!

Kannst (darfst) Du was zum Look verraten? Gibt es da Besonderheiten?

Nürnberg und seine Umgebung spielen natürlich eine große Rolle dabei, wie der Franken-Tatort aussieht. Der Film konzentriert sich nicht gerade auf die idyllischen Orte der Stadt – da gibt es eigentlich viel zu entdecken. Im Laufe der Geschichte blicken wir zum Beispiel immer wieder durch die Augen des Mörders auf die Stadt. Nächtliche, einsame Straßen, das ist nicht immer schön. Zumal wir gar nicht wissen in wessen Kopf wir stecken!

Löchern Dich Freunde und Familie schon, worum es geht und wer der Mörder ist?

Die Hysterie hält sich in Grenzen. Aber man ist natürlich gespannt auf einen guten Krimi!

Hat man versucht Dich zu bestechen, damit Du was verrätst?

Leider nicht.

Wirst Du Dir den Franken-Tatort im TV ansehen oder hast Du ihn jetzt schon zu oft gesehen?

Soweit ich weiß, wird es eine Vorführung in einem Kino in Nürnberg geben – zeitgleich zur Fernsehausstrahlung. Da fahre ich gerne hin. Schließlich ist es immer aufschlussreich zu sehen, wie extrem sich ein Film verändert, wenn man ihn zusammen mit einem großem Publikum schaut.

Bild: BR/Christian HartmannWas ist Max Färberböck für ein Regisseur, was für ein Mensch?

Max ist ein sehr aufmerksamer Regisseur mit genauen Vorstellungen, aber ebenso mit einer Offenheit für neue Einfälle und Ideen. Er ist mit einem hochfeinen Sensorium ausgestattet, das ihn mit Inspiration praktisch dauerbefeuert. Zusätzlich zieht er sich alles mögliche rein, was Theater, Kino, Literatur und Internet an Neuem und Interessantem zu bieten hat! Das ist schön für einen kreativen Schnittprozess, dafür dass man Dinge im Schneideraum nochmal ganz neu denken kann, Regeln bricht, Neues ausprobiert. Ich würde sagen, er ist ein Story-Junkie, mit einer Obsession für Schauspiel, der allerdings auch selber voller turbulenter, erlebter Geschichten steckt. Es kommt also nicht von ungefähr.

Was ist das Schönste an Deinem Beruf?

Letztlich versucht man eine Geschichte gut zu erzählen. Und jeder hat etwas dazu zu sagen! Diese ganze Kommunikation ist ein großer Spaß, man begegnet vielen interessanten Menschen. Für jemanden, der gar keine Vorstellung davon hat, was im Schneideraum passiert, würde ich es vergleichen mit der Suche danach, wie man einen Witz am besten erzählt. Ich empfinde es als Privileg meines Berufs, dass ich die Wirkung meiner Arbeit direkt überprüfen kann. Das hat Ähnlichkeit mit Musik Komponieren. Gleichzeitig hat Filmschnitt was von angewandter Wahrnehmungsforschung. Jede Sekunde zählt! Grundsätzlich kann ich sagen, dass mir meine Arbeit Spaß macht. Schön ist also schon mal, dass ich kein Motivationsproblem habe!

 

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