Euer Plädoyer für (und gegen): Nürnberg

Solange der Drehort des neuen Franken-Tatort noch nicht bekannt ist, wollen wir mit Euch zusammen die Region mal genauer unter die Lupe nehmen: Wo gibt es besonders schöne oder interessante Fleckchen? Was spricht gegen eine bestimmte Stadt? Wir fangen an mit Nürnberg und Fürth, und das hattet Ihr dazu zu sagen:

Kaiserburg Nürnberg | Foto: Uwe Niklas / www.uwe-niklas.comThomas: „Weil es dort tolle Kulissen wie die Burg oder die Lochgefängnisse oder den alten jüdischen Friedhof gibt.“ Melanie ist ebenfalls dafür: „Ich fände die Felsengänge oder Lochgefängnisse gut!“ Und noch eine dritte Stimme für die Lochgefängnisse kommt von Philipp. Also fangen wir genau damit an.

Die Nürnberger Burg ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie setzt sich zusammen aus Kaiserburg und Burggrafenburg. Zu den ältesten noch erhaltenen Teilen der Burg gehört die Doppelkapelle, die um 1200 errichtet wurde. Es wurden aber Grundmauern gefunden, die noch gut 200 Jahre älter sind. Martin hätte gerne einen „Leichenfund im tiefen Brunnen„, und der befindet sich auch hier auf der Burg. Er ist über 50 Meter tief und wahrscheinlich so alt wie die Burg selbst.

(c) Museen der Stadt NürnbergDie Lochgefängnisse befinden sich im Keller des alten Rathauses. Hier warteten Häftlinge im Mittelalter auf ihr Urteil und dessen Vollstreckung. Sie harrten in der Dunkelheit aus, in winzigen Zellen angebunden. Für ihre Versorgung mussten sie selber sorgen – der Lochwirt brachte das Essen. Auch eine Folterkammer gibt es hier unten.

Die Felsengänge sind ein Labyrinth unter der Stadt, in den Sandstein gehauen vor mehreren hundert Jahren. 1380 wurden sie erstmals erwähnt. Dort unten reift unter anderem das traditionelle Rotbier. Auf dem alten jüdischen Friedhof wurden von 1864 bis 1922 Menschen bestattet. Er ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Weiter zu den Tipps unserer Leser. Franz schreibt: „Die Fürther Altstadt und die Südstadt mit den klassischen Fassaden. Der Nürnberger Hafen, der gigantische Rangierbahnhof, die Hinterlassenschaften von AEG, Quelle und Co. oder das ländliche Knoblauchsland mit Bauernhöfen nördlich der City ist einzigartig. Die Kneipenszene und das Rotlichtmilieu in Nürnberg ist einmalig und verrucht.“

Im Nürnberger Hafen werden pro Jahr über 15 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen. Der Hafen liegt am Main-Donau-Kanal und verbindet die Stadt somit mit den internationalen Wasserstraßen. Der Rangierbahnhof wurde 1903 eröffnet. Das Knoblauchsland liegt zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen – traditionell geht’s hier seit vielen Jahrhunderten um die kleine Knolle.

Joe: „Nürnberg, das nicht zuletzt den Dreh in U-Bahnen, einem anständigen Binnenhafen, einem würdigen Messegelände oder dem Flughafen erlaubt. Dazu zwei bekannte Fussballvereine für einen Mord beim Derby und auch eine Eishockeyleiche wäre drin.“

dutzendteich4_300dpiJohannes: „Mit Nürnberg könnte man auch viele gesellschaftliche Themen durchleuchten. Ausländerproblematik, Homosexualität, Großstadtproblematik. Außerdem mit U-Bahn, Burg, Flughafen, Frankenstadion bzw. Dutzendteichgelände.“

Das Dutzendteichgelände wurde im 14. Jahrhundert errichtet, indem man mehrere Bäche zu kleinen Seen aufstaute. Es war schnell ein beliebtes Ausflugsziel. 1906 wurde hier die bayerische Landesausstellung aufgebaut – und dann bauten die Nationalsozialisten hier ihr Reichsparteitagsgelände.

Maria: „In der guten Tradition des Tatorts bietet die Großstadt interessante Schauplätze, wie alte Gemäuer, Nazirelikte, unterirdische Gefängnisse, Großstadtmoloch, Krankenhäuser, Planetarium etc. Da gehen den Drehbuchautoren nicht schon nach vier Folgen die Ideen aus.“

Thomas: „Die Vielfalt an typischen Schauplätzen ist gewaltig, beginnend in der historischen Altstadt über das Reichsparteitagsgelände zur mordernen, großstädisch geprägten Industriekultur ist alles vorhanden.“

Blick über den Hauptmarkt 40 Minuten vor dem Prolog / Foto: Stadt Nürnberg / Birgit FuderCharlotte sagt: „Pro Nürnberg: Altstadt, Randbezirke wie Langwasser und alte Nazi-Bauten, die ebenfalls gut als Kulisse dienen können. Viel Geschichte und viel Tradition. Was spricht dagegen: Nürnberg ist kaum mehr Franken, viele ‚Zugreiste‘, viele Touristen. Aber vielleicht kann man gerade das gut im Tatort verarbeiten. Ich sag nur ‚Mord auf’m Christkindlmarkt‚.“

Tja, der gute alte Christkindlesmarkt. Er ist einer der ältesten in ganz Deutschland, bis ins 16. Jahrhundert reicht die Geschichte zurück.

Und schon sind wir bei den Contrastimmen. Michael will nicht, dass sich so viel auf Nürnberg konzentriert. Er schreibt: „Franken besteht auch aus anderen Städten, und der BR soll sich auch mal trauen, einen ländlichen Tatort zu drehen.“ Auch Frankenpilz ist dafür: „Bitte nicht schon wieder eine Grosstadt und nicht schon wieder ein nach Franken versetzter fremder Psycho-Kommissar.“ Ähnliche Ansichten hat Philipp: Nürnberg sei „zu urban, deswegen nicht unterscheidbar vom Rest der deutschen Städte.“ Auch Susi ist gegen Nürnberg: „Die Mittelfranken sind als Franken in Bayern schon überrepräsentiert. Die Menschen meinen die Franken sprechen alle wie ‚Närmbärcher.'“

Was meint Ihr? Was spricht für oder gegen Nürnberg? Schreibt in die Kommentarfunktion, wir freuen uns auf Eure Meinungen.

 

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  1. Nürnberg ist ein toller Drehort, der sich aus den bereits erwähnten Gründen für einen Tatort perfekt eignet! Allerdings kann ich auch die Contra-Stimmen verstehen, die die ländlicheren Gegenden vermissen. Was mir hier auf jeden Fall gefallen würde wäre eine Kombination aus mehreren Tatorten, die sich als Mehrteiler über verschiedene Städte ziehen und damit noch einen tieferen Einblick in das fränkische Land gewähren. Ein toller Drehort wäre zum Beispiel das Fichtelgebirge- hier sind von natürlichen Schauplätzen- wie das Felsenlabyrinth bei Wunsiedel, aber auch noch andere Berge wie Schneeberg, Ochsenkopf, Kornberg- bis zu geschichtsträchtigen Dingen- wie der Hintergrund der jährlichen Naziaufmärsche viele Anhaltspunkte vorhanden. Gewässer gibt es zur Genüge(Weißenstädter See, Untreusee(bei Hof), Förmitztalspeicher(bei Schwarzenbach),Fichtelsee….) Auch Rehau und Selb als Grenzstädte zu Tschechien sind super zu integrieren- von Menschenhändlern und Drogendealern bis zu weiteren geschichtlichen Hintergründen wie die Porzellanmanufaktur und ihr Niedergang oder der erstmals in Deutschland angebauten Kartoffel und die darauf verliehene „goldene Kartoffel“bieten schon einige Ansätze, Drehorte und Anknüpfungspunkte zu einem möglichen Nürnberger Tatort- das Fichtelgebirge zählt außerdem auch zur Metropolregion Nürnberg 🙂
    Ich könnte jetzt noch viel mehr dazu schreiben, aber ich denke ich belasse es derweil bei dem bereits geschriebenen 🙂

  2. Alles was Nürnberg hat, hat auch Berlin und München, ausgenommen der Hafen. Sämtliche Locations wie Burg u. Altstadt sind touristisch gesehen natürlich ganz toll, aber für den Tatort nur am Rand zu gebrauchen. Was zeichnet einen Film also wirklich aus? Ringelmann hat zu seiner Zeit richtig entschieden, er hat sich das Polizeipräsidium in der Ettstraße angesehen und die damaligen Büros im Studio nach gebaut, alles wurde farblich Grau in Grau gehalten, das war der damalige Stiel von Derrick. Der Alte war im gleichen Stiel über Jahre hinweg gedreht worden. Nur widerwillig hat man sich dann dazu entschlossen die Büros zu modernisieren. Was man wirklich an Locations braucht sind Drehorte, die Atmosphäre haben. Dazu können auch in leichter Dosierung schöne Altstadtgassen gehören aber dass man nur in ausgesuchten schönen Locations dreht, wird die Ausnahme sein, was natürlich auch von den Geschichten abhängig ist.
    Aber macht euch keine Sorgen, alles wird im Hintergrund sowieso über euren Köpfen hinweg entschieden, da führt kein Weg daran vorbei.
    Gruß Rudolf

  3. Nürnberg, Fürth und Erlangen haben die bunteste Sozialstruktur, Grantler, bunte Vögel, alte Industriekultur, grosstädtische Infrastruktur, dörfliche Ecken, viele Nationen, hintersinnigen Humor, eine alte, tradtionsreiche Pathologie in Erlangen, Subkultur und eine schöne Landschaft rundrum, Fürth mit einer großen jüdischen Tradition, der Kohlestaub der vergangenen Jahrhunderte, Wissenschaft, das leider berühmte und optisch imposante Oberlandesgericht, Industriebrachen und -gebiete, finstere Gänge unter der Altstadt einen tollen Blick vom Fernsehturm, alte Architektur, neue. Nbg. hat es verdient als Stadt deutschlandweit endlich einmal aus der stiefmütterlichen Medienrolle zu entweichen. Es gibt außer der Münchner Gegend eben noch eine andere Stadtregion in Bayern – man solls kaum glauben.
    Mein(e) Kommissar(in) sitzt in der Eckkneipe, sie fährt mit ihrem Oldtimer in die Fränkische zum Braugasthof, er/sie schweigt sich aus und wenn man denkt er wär Misanthrop dann bricht das Lachen aus ihm/ihr raus. So wie die Leute hier in den drei Städten. Ihm geht alles viel zu schnell mit diesen Norddeutschen, zuhören tut er sowieso und trotz „machte“, „dachte“, „sachte“ mag er sie sehr gern, denn es sind ja keine, wie er vll. meint, hochnäsigen Bayern. Es macht sie/ihn fertig das wegen mieser Poltik im Ländle Nbg. zeitweise die höchste Drogentotenqote Dtlds hatte, das was man in Bayern nicht sehen darf…Tote in der Kinotoilette. Er/sie sitzt total bekifft mit am ‚Seidla auf der Burg und sieht die Sonne untergehen und hat das unbestimmte Gefühl, das Wissen, das über die Jahrhunderte in denen die Leute zum Erfinden, Werkeln, Malen, Malochen, Lernen und auch zum Lemmingen hierhergekommen sind nicht nur Lachen und Liebe stattgefunden hat, sondern auch viel Böses. Leider ist es nicht weg.

  4. Der BR hat vor ein paar Jahren mal einen schönen Krimi aus Würzburg gedreht: „Freiwild – ein Würzburgkrimi“. Ich finde, die beiden Kommissare gespielt von Thomas Schmauser und Teresa Weißbach hätten auch gut in Serie gehen können, gerne auch im Rahmen des Tatort.

  5. Wie wäre es wenn der BR mal was im ständig vergessenen Unterfranken machen würde. Beim BR hat man immer das Gefühl dass es nur um den „echten“ Teil Bayerns geht. Für den äußersten Teil, Unterfranken, hatte man noch nie etwas übrig. Da man hier aber auch nicht auf die angrenzenden Bundesländer Hessen und BaWÜ zählen kann ist das Gefühl der „vergessenen“ Unterfranken meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt.

    Zum Thema des Tatorts selbst: Warum muss ein Tatort immer in der gleichen Stadt spielen? Warum konzentriert sich z.B. Der Münster-Tatort nur auf Münster?
    Unterfranken wäre eine gute Gelegenheit sich verschiedener Drehorte zu bedienen. Ein gewisser Kontrast zwischen eher ländlichen Dörfen und Städtchen (z.b das am Main gelegene Miltenberg und weitere entlang des Mains liegende Städtchen) bis hin zu größeren „Städten“ wie Würzburg und Aschaffenburg könnte einem Tatort helfen, etwas mehr Abwechslung in das Geschehen zu bringen.

    Außerdem könnte man einer breiten Öffentlichkeit zeigen dass Bayern mehr ist als München und Nürnberg. Und dass Franken aus mehr besteht als aus Ober-und Mittelfranken.

  6. Ich finde Nürnberg eignet sich sehr gut dazu.
    Jedoch sind auch alle anderen Fränkischen Regionen zu beachten und mit einzubeziehen, denn wie schon zuvor gesagt wurde, Franken besteht hier nicht nur aus Nürnberg und Umgebung.
    Jedoch würde sich auch aufgrund des bekannten Derbys auch ein „Derby Mord“ zwischen Nürnberg und Fürth Fans eignen. Beide Städte aus Franken:):)
    Aber es muss dann halt leider ein Fürth fan erleiden. 😛

  7. Pingback: Euer Plädoyer für (und gegen): Würzburg | Frankentatort

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